Auch auf Apple Podcasts, Spotify und YouTube.

Kurz gesagt: Ja, Bühnenpräsenz kann man lernen. Jede von uns hat es anders gelernt.

Claudia: Ich glaube, vor allem ist es auch machen, machen, machen, auf die Bühne gehen.

Beate: Da hat es langsam aufgehört, dass ich dachte, ich kann das halt einfach nicht.

Sylvia: Da war jemand, der an mich geglaubt hat, der gesagt hat, du kannst es.

In der Folge erzählen wir, wie das bei uns war: warum Beate stundenlang das Badezimmer blockiert hat, was bei Claudia ein ausverkauftes Konzert in Madrid verändert hat, und warum ich in der Prüfung an der Musikhochschule schreien musste.

Aber wie lernt man so eine Präsenz? Das habe ich Beate Kynast und Claudia Wauschke (Stella Mohn) gefragt, bei Keksen und Tee, bei Beate auf dem Sofa, mit den schönen Gitarren im Hintergrund, die wir nicht anfassen dürfen. Beate und Claudia arbeiten seit Jahrzehnten als Künstlerin, als Bühnenperformerin, als Coach und wir geben gemeinsam den Bühnenpräsenz Workshop.

Das Gespräch habe ich in zwei Teile geteilt, denn es ist erstaunlicherweise doch länger geworden, als ich dachte. In diesem ersten Teil lernst du uns und unsere eigene Geschichte kennen. Wir erzählen, wie wir Bühnenpräsenz wahrnehmen, was auch vielleicht hilft, um Sicherheit auf der Bühne zu bekommen.

Sylvia Lee (Mitte) mit Beate Kynast und Claudia Wauschke
Sylvia Lee (Mitte) mit Beate Kynast und Claudia Wauschke

Beate: Bühnenpräsenz war am Anfang für mich eigentlich ein Buch mit sieben Siegeln und auf der Bühne zu stehen und singen eigentlich auch immer der aufregendste und schlimmste Teil der ganzen Sache. Zu Hause stehst du und kannst alles wunderbar singen und weißt genau, wie du das haben willst und dann stehst du auf der Bühne. Ich hab es durchgezogen, so husch auf die Bühne und husch wieder weg. Das ist dann über die Jahre langsam gewachsen, überhaupt rauszufinden, wie fühle ich mich auf der Bühne eigentlich wohl, was will ich denn da eigentlich wirklich.

Was ist Bühnenpräsenz?

Claudia: Es geht um da sein, da sein und zu dem stehen, was ich gerade tue und dann fängst du an zu blühen, zu strahlen, hast du auch Ausstrahlung und dann erreichst du mich auch, glaube ich.

Claudia: Das sind für mich zwei Teile. Zum einen: Der oder diejenige hat erstmal technisch das erarbeitet, dass ich das genießen kann, also quasi auf Englisch know your craft. Sie weiß, was sie tut. Und dann ein gewisser Humor auf der Bühne, eine Form von Selbstironie vielleicht auch, aber eben auch diese Verbindung zum Publikum. Und natürlich auch das Schönste, wenn man sieht, derjenige oder diejenige hat eine Verbindung zum Song, zu der Musik, die sie uns mitteilt.

Beate: Ich möchte das Gefühl haben, der erzählt mir was. Der steht da und findet selber toll, was er da macht und erzählt es mir und spielt es nicht. Das fand ich ganz immens bei Jacob Collier, der in einer Halle mit tausenden von Leuten auf der Bühne steht, seinen Kram macht und ich stand irgendwo links und ich fühlte mich persönlich von ihm angesprochen. Ich hatte das Gefühl, der singt da für mich und erzählt mir das alles.

Sylvia: Ich würde noch dazu hinzufügen, derjenige fühlt sich auf der Bühne wohl. Ich mag es, dass ich hier bin und ich möchte euch etwas mitgeben. Es geht nicht darum, dass ihr mir zuhört, sondern ich möchte euch etwas geben. Also ich gebe euch ein Geschenk. Und dass er und auch seine Mitmusiker Freude haben. Das können einfach nur die Blicke sein, die sie sich zuwerfen.

Wie lernt man Bühnenpräsenz?

Claudia: Automatisch, durch machen, machen, machen. Dass ich auch eine gewisse Ausstrahlung auf der Bühne habe oder Präsenz habe, ist mir erst durch die ganzen Rückmeldungen bewusst geworden. Wenn jemand danach kam und sagt: Mensch, du hast mich wirklich berührt oder zum Weinen gebracht oder zum Lachen gebracht.

Claudia: Der Punkt war bei mir auch ein bisschen, dass ich mehr gefragt habe, wer bin ich und was habe ich zu geben auf der Bühne als Claudia?

Beate: Und dann lernt man auch langsam, worauf man eigentlich guckt. Ich habe halt immer gemacht, bin mit meinen Bands aufgetreten. Ich hab mir Leute angeguckt, wie die das machen, hab ausprobiert, hab's dann auch immer wieder auf die Seite gelegt. Und das hat wirklich lange gedauert.

Sylvia: Bei mir hat das Ewigkeiten gedauert, bis ich bei Ulita Knaus im Unterricht war. Die hat mich dann auf die Sessions geschickt und die hat gesagt, nein das machst du. Da war jemand, der an mich geglaubt hat, der gesagt hat, du kannst es. Und mein Mann, der war sozusagen: Also du ziehst das jetzt durch. Das finde ich ganz spannend, wenn ich zurückblicke mit Bühnenpräsenz, dass jemand da ist, der sagt, du kannst es. Ich gebe dir die Chance, du musst es nicht perfekt machen, du lernst es noch, aber ich sehe Potenzial in dir.

Was steht der Bühnenpräsenz im Weg?

Beate: Ich würde sagen, es ist die Wertung. Die Bewertung in dem Moment, ist das jetzt gut? Ist das schlecht? Muss man das so machen? Darf man das so machen? Kann man das so machen? Also diese Zensur ist mein größter Feind.

Claudia: Einerseits es besonders richtig machen zu wollen, diese Kontrolle zu sehr zu haben. Ich finde, das kann einen eher zu fest machen. Und ich glaube, die Bühnenpräsenz blüht auf, wenn man sich eine gewisse Freiheit gönnen kann in dem Moment.

Sylvia: Das ist mein größtes Problem, so dieses Denken: Darf ich hier überhaupt sein? Bin ich gut genug? Es gibt ja Kinder, die kommen und sagen, ich probiere es einfach aus. Und andere, die können es super, aber die haben so eine Angst, was falsch zu machen, dass ich fast immer denke, die Leute, die es einfach ausprobieren, die sind meilenweit voraus. Und so ist das, glaube ich, auch mit der Bühnenpräsenz.

Beate: Deswegen ist ja auch der Vergleich so wirklich das Schlimmste, was man tun kann. Wir machen das zu früh, zu stark, zu doll und es steht eigentlich das Urteil an erster Stelle und das ist natürlich voll die falsche Position. Das kommt ganz am Ende und ich brauche einfach Zeit diesen eigenen Weg zu finden.

Häufige Fragen

Kann man Bühnenpräsenz mit 40 noch lernen?

Beate: Es hat erst sehr spät angefangen, dass ich mich mehr darum gekümmert hab und mich auch getraut hab, diese Kiste aufzumachen. Mit 40, vielleicht auch ein bisschen um und bei. Da hat es langsam aufgehört, dass ich dachte, ich kann das halt einfach nicht.

Sylvia: Wir leben auch in einer Welt, wo einem andauernd erzählt wird: Wenn du das nicht geschafft hast, bis du Mitte 30 bist, dann solltest du umlernen. Es gibt so viele unterschiedliche Wege und das nicht an Alter oder an irgendwas festzumachen.

Braucht man für Bühnenpräsenz einen Kurs?

Beate: Also ehrlich gesagt, habe ich es nicht gelernt. Ich habe nie irgendwie jetzt Kurse besucht oder so. Und, ganz ehrlich, seit wir diese Bühnenpräsenz Workshops zusammen machen, hab ich tierisch viel gelernt.

Claudia: Ich weiß, dass viele Profis, Sängerinnen, wirklich nur noch das Coaching brauchen, um dieses Selbstvertrauen zu behalten.

Was, wenn ich unsicher bin und nie bestärkt wurde?

Beate: Ich finde es auch immer super wichtig, dass, wenn man das nicht hat, wenn man mal irgendwie vielleicht viel Unsicherheit mitbringt und nicht bestärkt wurde, dass man immer einen Weg finden kann. Und dass man dann auch Leute um sich braucht, die nach so einem Weg gucken.

Wie es weitergeht

Im zweiten Teil beschäftigen wir uns dann mit einigen Fragen, die mir von meinen E-Mail-Abonnenten zugeschickt worden sind. Und vielleicht sind bei dir ja auch ein paar Fragen entstanden. Dann kannst du sie mir gerne schicken: sylvia@stagebound.de

Wenn du jede Woche eine E-Mail von mir bekommen willst mit persönlichen Geschichten, dazu meine 5 Tipps gegen Nervosität auf der Bühne: Da kannst du dich für den kostenlosen Newsletter anmelden.

Wenn du mehr über den Workshop erfahren willst: Bühnenpräsenz Workshop in Hamburg

Mehr dazu: 6 Tipps gegen Lampenfieber, das Interview mit Fawn Arnold zur Bühnenpräsenz und alle Folgen.

Sylvia Lee, Sängerin und Vocal-Coach aus Hamburg

Moin, ich bin Sylvia

Ich bin Sängerin und Vocal-Coach aus Hamburg und seit über 20 Jahren Berufsmusikerin, mit mindestens 50 Konzerten im Jahr. Ich singe Jazz und Gospel, schreibe meine eigenen Songs und stehe mit meinem Trio SySanLi auf der Bühne. Hier auf Stage Bound erzähle ich, was ich auf der Bühne und in meinen Workshops lerne.

Von Sylvia

Meine 5 Tipps gegen Nervosität auf der Bühne

Ich schreibe dir fünf Dinge auf, die mir helfen, mit der Nervosität umzugehen.

Ich möchte die 5 Tipps bekommen

Gesangsworkshops in Hamburg

Finde einen Workshop, der zu dir passt!

Zu den Workshops